Toby Tambourine 2008-09-01
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Die Idee, alle 27 UK- u. US-Nr. 1-Hits der Beatles von 1962-1970 auf einer CD zusammen zu stellen, war ebenso einfach wie genial. Ich bin nicht sicher, ob die Beatles damit die ersten waren; sicher aber folgten ihnen weitere, z.B. Elvis zwei bis drei Jahre später ("30 #1 Hits" und "2nd to none"), Michael Jackson etc.
Ein Kuriosum ist die Tatsache, dass die erste Beatles-Single, Love me do (UK Nr. 17), auf "1" gelangte, weil sie es im Zuge der Beatlemania 1964 in Amerika in irgendeiner Hitparade auf Platz 1 schaffte, die ausgereiftere 2. Single, Please please me (UK Nr. 2), dagegen auf Grund niedrigerer US-Chartnotierungen leider nicht; zum Trost muss gereichen, dass es aus Platzmangel eh nicht mehr gepasst hätte. Day Tripper / We can work it out und Yellow Submarine / Eleanor Rigby waren als doppel-A-seitige Singles deklariert und wurden somit beide als Nr. 1 gewertet. Strawberry Fields forever / Penny Lane erreichte in England - ebenfalls als doppel-A-seitige Single - "nur" Platz zwei. Wurde aber Penny Lane in den USA als alleinige A-Seite veröffentlicht, als die es hier ihren Platz fand? Und wurde wiederum Something / Come together in den US-Charts wirklich als doppel-A-seitige Single gelistet oder wurde hier ein Auge zugedrückt, damit Come together auch noch untergebracht werden konnte? Ich dachte immer, Something wäre alleinige A-Seite gewesen. Das sollen die Historiker entscheiden.
Genau betrachtet, ist "1" einfach die Essenz aus dem "Roten" und dem "Blauen Album" der Beatles, die zusätzlich zu den Singlehits auch unverzichtbare Albumtitel (All my Loving, Lucy in the Sky with Diamonds, A Day in the Life, Here comes the Sun etc.) enthielten. Brauchen Besitzer dieser beiden Alben also auch "1"? Nun, zum einen besticht die konzentrierte Songauswahl durch die schier unglaubliche Kreativität und Qualität allein der Singles dieser Ausnahmeband: es macht einfach unheimlich Spaß, die rasante Entwicklung der Beatles von Love me do bis The long and winding Road in nur sieben Studio-Jahren nachzuverfolgen.
Was mich zudem bis heute umhaut, ist auf dieser CD das sensationelle, bislang beste offiziell erhältliche digitale Remastering von Beatles-Masterbändern. (Na gut, die beiden 4-CD-Boxen "The Capitol Albums Vol. 1" (2004) u. "Vol. 2" (2005) klingen auch phantastisch!) Alle Songs klingen weicher, runder und gleichzeitig präsenter und druckvoller, irgendwie wieder "analoger" und mehr nach Vinyl als die doch etwas kälter und dünner klingenden '87er/'88er u. '93er Beatles-CD-Veröffentlichungen. (Schade nur, dass hier wieder die Gelegenheit versäumt wurde, zur Abwechslung endlich mal den Stereomix von From me to you auf CD zu veröffentlichen.) Es ist lange überfällig, dass sämtliche Beatlesalben mit diesem Remastering erscheinen. Wie wär's z.B. mit "2" - einer Sammlung aller hier fehlenden B-Seiten? (Die CD "Yellow Submarine" von 1999 klingt auch klasse; aber hier waren alle Songs von Grund auf neu abgemischt worden.)
Weiterhin ist auf technischer Seite anzumerken, dass hier (anders als auf der '93er CD "1962-1966") von Can't buy me Love zum ersten Mal der originale '64er Stereomix verwendet wurde (dort war es, ebenso wie Ticket to ride, zwecks Angleichung im Stereopanorama neu abgemischt worden; leider hat man hier von Ticket to ride nicht auch den originalen '65er Stereomix ausgewählt). Bei Day Tripper wurden der kurze Kanalausfall auf der rechten Seite (direkt nach dem ersten "tried to please her", 1'50) und das überzählige "yeah" (2'32) digital restauriert bzw. "überschminkt". Der Piano-Akkord am Ende von Lady Madonna, der immer recht abrupt abbrach, wurde hier sanft abgerundet. Von The Ballad of John & Yoko ist hier zum ersten Mal seit der '69er Single bzw. der '70er Vinyl-Ausgabe der LP "Hey Jude" wieder das originale Masterband zu hören; seit 1970 wurde m. W. weltweit die Version verwendet, bei der der allerletzte Schlag auf die Snare leiser gedreht worden war. Gut, das mag nur für Beatles-Freaks wie mich relevant erscheinen; es zeugt aber immerhin von der von mir so geschätzten Liebe zum Detail und Sorgfalt bei der Recherche nach den Originalbändern der 1. Generation.
Im schönen Booklet findet sich ein kurzes Vorwort von George Martin, die Chartnotierungen dokumentierte Beatles-Kenner Mark Lewissohn (was meine oben geäußerten Bedenken eigentlich ausräumen sollte!), und es präsentiert eine Fülle liebevoll zusammen getragener Single-Hüllen aus aller Welt. Die Vinyl-Ausgabe enthält zusätzlich ein schönes Poster mit den Single-Hüllen sowie - in bester "Weißes-Album"-Manier - die 4 psychedelischen Portraits der Beatles als Einzelfotos in 21x28,5.
Selbst Fans, die bereits alles von den Beatles haben, sollte "1" Spaß machen; und wer noch nichts von ihnen hat, müsste mit dieser CD eigentlich unweigerlich zum Fan werden. Ich habe gelesen, dass "1", obwohl es erst Ende 2000 erschien, nicht nur die meistverkaufte Platte des Jahres wurde (und das mit 30 bis 38 Jahre alten Songs!!), sondern auch das meistverkaufte Best-of-Album überhaupt. Wenn dem so ist: wen wundert's?