Hannes Potthoff 2008-02-15
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Eine höchst willkommene Überraschung bei zufälligem Stöbern im CD-Laden! Ich liebe Theodorakis und bin immer wieder neugierig auf Bearbeitungen aller Art, und selten findet man musikalische Transformationen mit solcher Sinnfälligkeit! Natürlich steht und fällt letztlich alles mit Jocelyns grandioser, ausdrucksstarke Soulstimme, die in den Balladen jedoch auch beeindruckende Qualitäten in der Zurückhaltung (sowie klassische Vorbildung?)verrät, was Theodorakis' Melodien sehr zugutekommt: denn natürlich sind Flötenduette nicht unbedingt dazu angetan, ein jazziges Feeling zu verbreiten, aber sie sind direkt dem Klangfeld entnommen, welche Herr Schmiedt schon in "originalen" Theodorakis-Projekten mit der griechischen Sängerin Maria Farantouri entwickelt hat, so daß hier immer wieder ein verbindender (oder unentschlossener?) Mittelweg zwischen Original und Verfremdung gewählt wird. Aber vielleicht ist dies der einzige sinnvolle Weg bei dieser Art von Musik, denn Theodorakis lebt von der folklorenahen und sich immer sehr ähnlich bleibenden Einfachheit seiner Melodien, die eher durch Individualität in der formalen Ausdehnung als durch markante Motive oder interessante Harmonien leben - und die man zerstören würde, wenn man sie durch schräge Jazzakkorde nach improvisativer Jazz-Praktik würzen würde. So geht Henning Schmiedt eher vom schon vorhandenen "Soul" der Lieder aus (als einen stilfremden Soul darüberzulegen), nutzt den Groove "handgemachter" Percussion, setzt auf Jocelyns Phrasierungskünste - und erweitert das vornehmlich akustische Klangspektrum nur sporadisch durch dezente Einwürfe von E-Gitarre oder Baß. Meines Erachtens ein Vorbild an guter Dosierung - und eine Musik, die schnell ans Herz wachsen kann: mit liebevoller Achtung vor dem Original.