musikfreund 2006-04-09
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Ich kenne Toris zweites Album „Under the pink“ bereits seit 1994. Allerdings wurde ich erst 11 Jahre später an Tori erinnert, da eines schönen Nachmittags in einem Café ihr neuestes Werk „The beekeeper“ im Hintergrund gedudelt wurde. Komisch dachte ich da plötzlich. War Toris Musik nicht eigentlich immer eher schwer verdauliche Kost, die vom Hörer die gesamte Aufmerksamkeit einfordert? Und nun kann man Tori auch gemächlich so nebenbei hören? Die Antwort ist: ja! Und da mir „The beekeeper“ so gut gefiel, habe ich es mir gleich besorgt. Es gefiel mir sogar so gut, dass ich auch Toris frühere Werke wieder bzw. erstmals hören wollte. „Vielleicht gefallen mir jetzt ja auch ihre experimentelleren Lieder?“ dachte ich. Sie müssen wissen, dass ich als 12-Jährige nämlich nur die eingängigeren Lieder der Amos, wie „God“, „Past the mission“ oder eben „Cornflake girl“ von „Under the pink“ mochte und mit ihren weiteren Alben daher bis vor kurzem weniger vertraut war.
Nachdem ich „Under the pink“ jetzt als Erwachsene noch einmal gehört habe (bei dem einen Mal ist es natürlich nicht geblieben!), musste ich feststellen, dass ich eine brillante Musikerin als Kind/ Teenager wohl einfach nicht verstehen konnte. Heute liebe ich dieses Album. Jedes Stück ist ein Höhepunkt für sich, jedes erzählt eine Geschichte, jedes ist anders als das davor! Natürlich mag ich auch die eingängigen Tracks wie „Cornflake girl“ immer noch. Aber irgendwie klingt das Lied jetzt noch besser als früher. Mein Lieblingsstücke sind jedoch „Yes, Anastasia“, ein kleines Klavieropus mit Orchesterbegleitung sowie das sanfte „Icicle“, bei dem nur Toris virtuoses Klavierspiel ihren Gesang begleitet. Was ich an Toris Musik zudem so mag, ist, dass man niemals weiß, wie ihre Lieder weitergehen, da die musikalischen Strukturen innerhalb der Lieder, obwohl nach ein Paar Hörgängen der Aufbau kenntlich wird, ganz plötzlich hereinbrechen. Gerade hat man sich in den Rhythmus eines Songs oder dessen Melodie eingehört, folgt ein komplett anders instrumentierter Part, mal nur mit Klavier, mal mit anderem Rhythmus. Tori experimentiert halt und das macht sie so faszinierend. Neben den musikalischen Spielereien, wenn man das so nennen darf, sind auch ihre Texte höchst anspruchsvoll und wahrscheinlich nur für die Künstlerin selbst vollkommen verständlich. Es lohnt sich auf alle Fälle, genauer zuzuhören und sich eigene Gedanken zu den Texten zu machen, die teilweise von eher unerfreulichen Ereignissen wie Tod und Hass („The waitress“) und Vergewaltigung („Past the mission“) handeln. Auf Grund der schwierigen und wohl nicht zu verallgemeinernden Interpretation, werde ich mich nicht weiter zu den Texten äußern. Soviel sein nur gesagt: Tori Amos ist ein musikalisches Genie, welches seinesgleichen sucht. Selbst die große Kate Bush kommt mit ihrem Album „Hounds of love“ meines Erachtens nicht an dieses Werk der Amos heran. „Under the pink“ ist Toris beste Arbeit, denn hier zeigt sie die größte musikalische Vielfalt sowie Abwechslung in ihren Stimmungen. Wer das Album nicht hat, ist selber Schuld!
Anspieltipps: "Cornflake girl", "Yes, Anastasia", "God", "Icycle" (eigentlich alle!)