Bianca Wenzel 2008-10-25
0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Eingefleischte Tatortfans vermissen sicherlich schmerzlich ihren Max Palu, doch jetzt ist er zurück. Zwar nur als Autor, aber dem Krimigenre ist er treu geblieben und wenn man ganz ehrlich ist, es steckt schon reichlich Palu in dem neuen Schnüffler.
Fritz Neuhaus, der Protagonist, floh vor ungefähr dreißig Jahren vor seiner Mutter aus dem Saarland nach Berlin.
Heute sitzt er in seinem Stammlokal, dem Dollinger, er liest Zeitung, frühstückt und macht sich Gedanken um seine Zukunft er ist nämlich pleite. Eine rothaarige Frau kommt direkt auf ihn zu und bittet ihn, Martha Klein für sie zu finden. Ferner überreicht sie ihm einen Koffer mit wichtigen Informationen zum Fall. Darin findet er Auskünfte über Menschenrechtsverletzungen im Amt für Asylfragen. Doch was hat Martha Klein damit zu tun? Plötzlich holt ihn auch seine Vergangenheit ein, er muss in die verdrängte Heimat Saarbrücken dort, wo seine Mutter ihn einst sexuell belästigte. Die weitere Recherche beläuft sich lediglich auf einen Namen, dem ihn die Rothaarige, eine Interpolagentin, genannt hat Nardini. Er findet Nardini im Hotel Esplanade tot, erschossen.
Dieser Auftrag bringt Neuhaus in heftige Schwierigkeiten, er lernt den BND eher unfreiwillig kennen und ist einer Ärztin auf der Spur, die Flüchtlinge in den Wahnsinn treibt. Neuhaus, der total im Bann der Rothaarigen steht, tut alles, um diesen Fall zu lösen und setzt sich so einigen Gefahren aus.
Die Reise nach Saarbrücken ist der Schlüssel, doch wozu eigentlich?
Nichtwisser besticht aufgrund von vielen Drehungen und Wendungen, durch zahlreiche Wortspiele sowie durch die kurzen, prägnanten Sätze von Jochen Senf. Das Buch ist durchweg spannend und äußerst unterhaltsam, lediglich durch einige etwas zu detaillierte Schilderungen der Essgewohnheiten von Fritz Neuhaus ab und an anstrengend.
Jochen Senf schreibt nicht einfach nur einen Krimi nein. Er integriert darin noch Menschenrechtsthemen wie Folter, Zwangsheiraten und Zwangsprostitution und berichtet über das Leben in einem deutschen Flüchtlingslager. Auch verarbeitet der ehemalige Tatortkommissar Kindheitserlebnisse mit diesem Buch. Senf engagiert sich zu den meisten dieser Themen, wie zum Beispiel als Schirmherr der Kampagne gegen Häusliche Gewalt der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. Er scheut sich nie, diese Themen öffentlich anzuprangern und zeigt einem mit diesem Krimi eine neue Perspektive der Protagonist Fritz Neuhaus erzählt die Geschichte aus seiner Sicht und so muss sich der Leser zwangsläufig mit diesen Themen auseinandersetzen. Trotz allem oder gerade deshalb ist Nichtwisser ein erfrischend anderer Krimi, dem hoffentlich noch weitere folgen werden.