Apicula 2007-08-16
23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Wenngleich ich mit dieser illustrierten ELVIS - Biographie ein super-schickes gebundenes Buch (über 120 Seiten!) in Händen halte, so verhielt es sich mit meiner vorauseilenden Euphorie nach dem ersten Durchblättern umgekehrt proportional zu dem erwähnt bemerkenswerten äußeren Erscheinungsbild. - Das ist eben so eine Sache mit den Erwartungen. Diese lagen, was meine Wenigkeit betrifft, verdammt hoch, weil mich die "Johnny Cash - I SEE A DARKNESS" - Biographie von Reinhard Kleist nachhaltig beeindruckt hat.
Diese ELVIS - Biographie ist vor allen Dingen bunt, sparsam mit Texten versehen und bietet eine Zusammenstellung verschiedener Episoden aus verschiedenen Lebensabschnitten des Stars, die - das mag man werten wie mal will - von verschiedenen Zeichnern stammen. Die Texte kommen von Titus Ackermann. Das Vorwort von Bela B., der, wie er erwähnt "Elvis und (!) Comics liebt", und für den sich mit diesem Werk "der Kreis geschlossen hat"! Als Abschluss seines Vorwortes meint Bela B.:" Ick freu mir!", was ich prompt als Vorlage für eine adäquate Erwiderung zum Anlass nehmen möchte:
"Ick hab mia ooch jefreut." (Nur leider einen Tick zu sehr, wie sich herausgestellt hat.)
Soweit ich die Inhaltsangabe richtig interpretiere "zeichnet" Titus Ackermann für die naiven Elvis-Portraits zwischen den Kapiteln verantwortlich. Sicher eine Geschmackssache-, für mein Verständnis tendieren diese ulkigen Portraits nämlich in Richtung unpassend bis Gesamtbild-zerstörend. Hervorheben möchte ich die beiden Kapitel, die Reinhard Kleist dem "King" gewidmet hat. Ich kann nicht anders, sein Stil gefällt mir wahnsinnig gut. Isabel Kreitz skizziert in dem Kapitel "Elvis Is Back" völlig unerkennbare Bilder des Stars und seiner Frau Priscilla - aber wenigstens kann man Frank "Ol Blue Eyes" Sinatra auf den ersten Blick erkennen. Thomas von Kummants Strips finde ich am faszinierendsten - obgleich diesen "Bildern" der Comic-Strip-Charakter fehlt.
Andererseits will ich - trotz der hier offenbarten Enttäuschung - nicht zu negativ klingen. Elvis war für mich sehr lange wirklich so was wie ein "King" , mit seinen Songs verbinde ich sehr viele nette Erinnerungen. Mit seinem Ableben, das just heute vor 30 Jahren stattfand auch. Keine Panik, lieber interessierter Leser, ich verkneif mir die Anekdote, wie ich im zarten Alter von sieben Jahren die Nachricht von seinem Tod aufgefasst habe, die sich in Windeseile - auch auf abgelegenen Bauernhöfen - verbreitet hat. Selten wurde der Tod eines Stars unter so großer Anteilnahme und für damalige Begriffe gigantischem Medienrummel kolportiert.
Jedenfalls - das muss man ja mal sagen dürfen - der gute Elvis Aaron Presley hatte leider nicht das Glück mit mordsviel gesundem Verstand gesegnet gewesen zu sein, sonst hätte er sich auch nicht so schnell so sehr verheizen lassen und sich auch vielleicht ein wenig eher Gedanken um seine Familie, seinen Körper, sein Leben gemacht. Elvis' "Werteverständnis" tendierte in Richtung Reichtum und von Bescheidenheit wollen wir in Zusammenhang mit seinem Graceland-Projekt gar nicht sprechen. Bei ihm gab es keinen Anflug von bereuen, oder gar Selbstkritik - bis ans bittere Ende nicht. - In der hier vorliegenden Comic-Biographie wird zwar nicht so ausführlich, wie in Kleists Biographie über Johnny Cash, auf Tabletten oder Drogenkonsum angesprochen aber im Großen und Ganzen kann man das vorliegende Material auch nicht als "geschönt" ansehen, sondern als eine deutliche Faktenansammlung - und definitiv keine Verniedlichung der Probleme in seinem Leben. Von übertriebener Heroisierung keine Spur.
Alle noch so ernsthaften und kritischen Gedanken über dieses Idol ändern nichts an der Tatsache, dass mich die Schlusssequenz (betitet mit "I did it my way" - von Frank Schmolke) mal wieder zu Tränen gerührt hat. Wenn auch der gewählte Titel mir merkwürdig unpassend erscheint, denn wenn Sinatra diesen Song (Text stammt von Paul Anka) singt, dann klingt das selbstbewusst, selbstkritisch - glaubwürdig. Elvis hat man in dieser Biographie allerdings "Amazing Grace" in den Mund gelegt als Abschiedsworte. Nun ja ... Möge er in Frieden ruhen.