Welle 2008-01-02
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Der Autor gibt in dem ersten Teil des Doppelbandes den Erfahrungsbericht von seinem Klosteraufenthalt in Japan. Obwohl er wohl nie in seinem Leben einem besseren Lehrer begegnet ist als dem Meister in diesem Tempel steht er sich monatelang selbst im Weg, bevor er sein Experiment abbricht und das Kloster verlässt. Im Vergleich zum zweiten Buch liest sich der leere Spiegel aber als authentischer Bericht aus einem japanischen Kloster vergangener Zeiten recht angenehm. Sowenig, wie es de Wetering gelingen mag, das Koan Mu zu präsentieren, so wenig gelingt es ihm aber, die Leichtigkeit des Zen auf diesem harten Weg zu vermitteln.
Der zweite Teil, Reine Leere ist geprägt von meist frustrierenden Begegnungen mit ehemaligen Weggenossen oder verkrachten Existenzen, die Zen lehren.
Der Autor hat in diesem Teil eine ganze Reihe von Koans "gelöst" - wie er schreibt - und gibt ausführlich Auskunft davon... das wirkt nicht immer so komisch, wie es wohl wirken soll. Eingestreut sind dann doch immer wieder Passagen, in denen man ahnt, was das ganze Spiel um die Koans gebracht hat und de Wetering lässt eine wunderbar angenehme Gelassenheit durchblicken.
Gegen Ende des Buches wünscht man sich, zu verstehen, warum de Wetering ein Leben lang auf dem Zen-Weg geblieben ist (ist er das überhaupt?), wenn die meisten Figuren seines Buches so humorlos und festgefahren sind. Man erfährt es auf der vorletzten Seite auf der er in unnachahmlicher Weise beschreibt, wie ein übermüdeter Schülermusikzug von einer Sekunde auf die andere Licht in die Stadt bringt und die große Losgelöstheit auch den Autor ergreift. Meist aber hängt de Wetering dann doch auf der Seite der Gleichgültigkeit. Schade.