Andreas Gryphius 2007-06-27
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Das Buch ist ein Labsal für alle, denen esoterischer Hokuspokus wie steinharter Käse im Magen liegt. Doch Vorsicht! Das will nicht heißen, dass Abt Muhos Büchlein eine oberflächliche Angelegenheit wäre. Gerade weil er die Dinge ohne Herumgeschreibsel schnörkellos beim Wort fasst, fühlt man, dass er was zu sagen hat und sich daraufhin angesprochen. Die Paradoxien, die man zuweilen herauszulesen glaubt, sind aber weniger als Gehalt in dem Buch enthalten, denn vielmehr als Knoten zu erkennen, die einem der eigene Verstand in die Führungsleine durch den Nebel des Lebens hineinzaubert. Um sich nicht ständig selbst auf den Leim zu gehen, mahnt Muho immer wieder das Loslassen ein.
Seine Beobachtungen der japanischen Gesellschaft (Kinderliebe, das Verhältnis der Geschlechter zueinander, usw.) haben auch einiges für sich und regen an, so manchen eigenen Standpunkt zu überdenken.
In dem Buch, das kein weiterer Ratschläger a la "Wie werde ich glücklich ohne mir noch drei Dutzend andere Kompendien dieser Art reinziehen zu müssen?" ist, sagt Muho ganz offen, allerdings in anderen Worten, dass es in Japan eine Menge ominöser Zen-Lehrer gibt, die man über die Häuser schmeißen kann. Das rühre daher, dass manche Klostervorstände quasi wie in Erbpacht zu ihrem Job kämen und ebenso gut (oder besser) als Fliesenleger oder Barkeeper überzeugen könnten.
Im Gegensatz zu buddhistischen Mönchen in anderen Teilen Asiens ist es den Zen-Menschen nämlich durchaus erlaubt zu heiraten. Muho selbst, sein Name bedeutet so viel wie "keine Richtung" oder "jede Richtung", ist mit einer Japanerin verheiratet und Vater zweier Kleinkinder, die es voraussichtlich auch nicht auf Dauer sein werden. Auf der Homepage des Klosters findet sich der Abt mit seinen Kindern beim Baden und man fragt sich irritiert: Ist es wahr, dass in Japan die Wannen nicht größer als Handwaschbecken sind?