lostlobo 2008-08-30
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Sergej Lukianenkos Dark Fantasy lässt uns die Welt mit anderen Augen sehen, der russische Autor gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Normalität, zu den Anderen. Äußerlich betrachtet sind sie nicht von uns zu unterscheiden. Doch im Vergleich zu Normalsterblichen sind sie Magie begabte, kraftvolle Wesen. Da gibt es die lichten Anderen und die dunklen Anderen. Erstere dienen in der Nachtwache, Zweitere in der Tagwache. Beide Seiten stehen zueinander in Jahrtausende alter Feindschaft, doch sie Seiten achten den Großen Vertrag, der das Gleichgewicht bewahrt.
Hauptcharakter des Buches ist Anton Gorodezki, ein lichter Magier von großem Talent. Er arbeitet in der Nachtwache von Moskau. Sein Job ist es, Amok laufende Vampire zu eliminieren, vertragsbrüchige Hexen dingfest zu machen u.v.m. Polizeihandwerk in Magierkreisen, wie es scheint. Doch Antons Routine gerät außer Rand und Band als er über dem Haupt einer Frau einen schwarzen Unheilswirbel mit enormem Zerstörungspotential ausmacht. In diese Frau, Swetlana, verliebt er sich auch noch. Wider Willen wird der Wächter der Nacht immer mehr in die Machtkämpfe zwischen Gut und Böse hineingezogen.
Lukianenko zeichnet die Charaktere ambivalent. Er schreibt von "lichter Traurigkeit" und "bitterböser Freude", hebt hervor, dass die Guten manchmal zur Lüge greifen, und die Bösen Wahrheit zur Waffe machen. Geser, der helllichte Chef der Nachtwache, lässt Anton in kaltem Kalkül wie einen Bauern übers Schachfeld laufen, während Sebulon, dämonenhafter Chef der Tagwache, aus Liebe zu seiner Alissa Abmachungen mit dem Licht schließt. Hell und Dunkel sieht in der Praxis eben oft grau aus.
"Die Wächter der Nacht" ist zwar sprachlich trivial verfasst, aber geschickt konzipiert. Der Roman reißt - wie es ein guter Spannungsaufbau verlangt - einige Geheimnisse an (z.B. das Zwielicht, die Inquisition oder die Kreide des Schicksals), ohne sie vollends zu lüften. Dasselbe gilt für die zwischenmenschliche Entwicklung der Charaktere. Auch hier bleiben die Zukunftsstränge offen. Was dem Buch gut tun würde, ist ein Schuss Ironie.