dorishamm 2008-10-23
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Wie gewohnt vom Autorenehepaar Iny Lorentz ist auch "Die Pilgerin" ein schöner Roman, der einen guten Einblick ins Mittelalter des 14. Jahrhunderts gewährt. Nicht anders als erwartet, spielte auch hier wieder eine Frau die Hauptrolle, was natürlich auch schon der Titel verrät. Genauso, wie der Titel verrät, worum es in dieser Geschichte geht, nämlich um eine Pilgerin. Und im Mittelalter pilgerten die Menschen meistens zum dafür beliebten Ort Santiago de Compostela. Wer zu diesem Thema schon Bücher gelesen hat, sollte nicht enttäuscht sein, dass es hier nicht viel neues gibt, da eine Pilgerreise vielleicht nicht viele Möglichkeiten bietet, eine ausgefallene, in dieser Art noch nicht da gewesene Geschichte zu erzählen. Aber jede Geschichte hat ja ihre eigenen Protagonisten und ihre eigenen Schicksale zu erzählen, so dass ja dann doch jedes Buch über dieses Thema individuell ist.
Iny Lorentz hat jedenfalls diese Pilgerreise zum Grab des Heiligen Jakobus schön, abwechslungsreich und überwiegend glaubwürdig geschildert. Nur überwiegend, da einiges doch unrealistisch erscheint. Aber seis drum, ich möchte ja einen Roman lesen, da darf Fiktion vorhanden sein. Die Gefahren, Anstrengungen und der Glaube kamen dabei jedenfalls sehr realistisch rüber und ich bekam den Eindruck, dass eine solche Reise so hätte gewesen sein können. Die Charaktere waren sympathisch und besonders die Pilgergruppe mochte ich sehr gern. Tilla und Sebastian waren mir dabei am liebsten und letzterer hat mich mit seinem Witz und Anfangs noch mit seiner unschuldigen und damit natürlichen Art am meisten begeistern können. Neben diesen beiden Charaktere wirkten die anderen zwar ein wenig blass, weswegen sie aber nicht schlechter rüberkommen.
Aber ich habe auch etwas zu kritisieren: Wurde der Weg nach Santiago de Comostela wirklich gut beschrieben, kam mir der Rückweg viel zu kurz vor. Da ging alles reibungslos vonstatten, nichts passierte mehr und das schlimmste war, dass sich die Pilger für nichts mehr begeistern konnten, alles schien "normal" für sie zu sein. Außerdem waren die entstandenen Liebesbeziehungen meiner Meinung nach sehr unrealistisch und zu dick aufgetragen. Dann störte mich die ständige Erwähnung, dass den Männern das Blut in den Lenden schoss, was beinahe bei jedem Mann geschah. Das nervte auf Dauer. Nicht unbedingt eine Kritik, aber der geschichtliche Hintergrund hätte für mich etwas mehr sein dürfen, man erfährt nur ein wenig über den hundertjährigen Krieg und einige politische Hintergründe darüber. Aber hier geht es ja auch um die Pilgerreise....
Oftmals wird bei Iny Lorentz bemängelt, dass sie sich immer des selben Schemas bedient.
Das fand ich nicht ganz so schlimm, da sie dabei immer ein neues Thema aufgreift und so die Geschichten sich nicht zu sehr gleichen können. Aber man kann sich auf jeden Fall auf einige Gewohnheiten des Autorenehepaares einstellen.
Bisher habe ich von Iny Lorentz die "Die Wanderhure" und die Fortsetzungen "Die Kastellanin" und "Das Vermächtnis der Wanderhure" gelesen und unter dem Psydonym Eric Maron "Die Fürstin". In gewohnter Art ist auch hier der Schreibstil sehr einfach und wenn hier auch nicht ganz so derb, wie Die Wanderhure, aber doch ziemlich rau. Dieser Schreibstil hat einen Wiedererkennungswert und das gefällt mir. Wem aber die Serie der Wanderhure gefiel kann sich freuen: ein vierter Teil ist mit dem Titel "Die Tochter der Wanderhure" erschienen. Die Pilgerin ist aber aus meiner Sicht empfehlenswert und die Kritik fällt nicht zu sehr ins Gewicht, dass ich es mit weniger als guten vier Sternen bewerten würde.