S. Heidsiek 2008-09-09
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Mit diesem Roman feiert Jean-Christophe Grangé, insbesondere bekannt geworden durch die verfilmten Purpurnen Flüsse", sein Debüt als Autor im Thriller-Genre. Obwohl feiert" an dieser Stelle vielleicht etwas zuviel des Guten ist, denn trotz hervorragender Kritiken, welche meine Erwartungen an dieses Buch in die Höhe stiegen ließen, blieb Der Flug der Störche" letztendlich doch einiges schuldig.
Dabei klingt die Story durchaus interessant und hat eine Menge Potenzial. Dies bleibt aber ungenutzt oder wird derart überzogen ausgearbeitet, dass es einfach schwer fällt einen Zugang zum Plot herzustellen.
Es fängt mit der Figur Louis Antioche an. Sein Leben lang nichts anderes als ein gesetzter, biederer Student gewesen, entwickelt er sich im Laufe des Buches plötzlich und ohne ersichtliche Gründe zum kaltblütigen Rächer, welcher der Reihe nach die Bösen richtet und eine Spur des Todes hinterlässt. Das es Grangé mit der Zeichnung der Charaktere, insbesondere der weiblichen, nicht so hat, konnte man als Vielleser zwischen den Zeilen schon bei Flüsse" erahnen. In seinem Erstlingswerk tritt diese Schwäche aber besonders deutlich zutage. Antioche ist schlichtweg nicht glaubhaft, weil überzeichnet und ohne jegliche Tiefe. Selbiges gilt für die Frauen an seiner Seite. Die Romanzen des Protagonisten haben bestenfalls Groschenroman-Niveau und wirken im Gesamtkonstrukt der Story total fehl am Platz. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.
Was die Spannung angeht: Sie wollte bei mir einfach nicht aufkommen. Woran es im Endeffekt gelegen hat, vermag ich nicht zu sagen. Tatsache ist, dass Der Flug der Störche" mich nicht gepackt, nicht in den Bann gezogen hat, obwohl die Handlung vom Inhalt her ohne Probleme dies hätte bewerkstelligen können. Grangés Ideen heben sich erfrischend von der Konkurrenz ab, doch die Umsetzung bleibt in diesem Fall mangelhaft. Dem Protagonisten war ich zumeist mehrere Schritte voraus, was zusätzlich dazu geführt hat, dass kein Lesespaß aufkommen wollte. Hinzu kommt Grangés zelebrierte Brutalität, die ich zwar von die Flüsse" oder Das schwarze Blut" gewohnt war, welche aber in Der Flug der Störche" derart pervertiert daherkommt, dass es ans Lächerliche grenzt. Was bei den beiden anderen genannten Büchern noch für Gänsehaut und Nägelkauen gesorgt hat, ließ mich hier schlichtweg kalt. Erst gegen Ende hin, das glücklicherweise doch noch einige Überraschungen bereithält, gerät man in den Sog der Geschichte. Leider meiner Meinung nach viel zu spät.
Insgesamt ist Der Flug der Störche" ein eher durchwachsenes Thriller-Debüt eines Autors, der in seinen späteren Werken bewiesen hat, dass er es besser kann. Eine kurzweilige, aber unspektakuläre Lektüre, von der Zartbesaitete ihre Finger lassen sollten. Muss man nicht gelesen haben.